Der Buntspecht (Dendrocopos major)
erschienen auf Naturfoto-Digital
Der Buntspecht war „Vogel des Jahres 1997“.
Die Art
Mit etwa 500 000 Brutpaaren in Deutschland zählt der Buntspecht hierzulande zur häufigsten Spechtart (lateinisch: Picidae). Außer ihm sind mit Grün-, Schwarz-, und Kleinspecht sowie dem Wendehals auch weitere Arten der Familie der Spechte bei uns heimisch.
Der Buntspecht aber sticht die anderen Arten nicht nur durch seine Häufigkeit aus. Er glänzt auch mit der größten Verbreitung in Europa und stellt ein wichtiges Glied in der Kette der Natur dar, denn ohne ihn wären viele höhlenbrütende Tierarten obdachlos. Auch wenn er nicht auf der Liste der gefährdeten Arten steht, wird er nicht zuletzt deshalb besonders geschützt.

Der durchschnittliche Aktionsraum eines Brutpaares der Buntspechte liegt bei 50Ha, variert jedoch sehr stark mit dem Vorhandensein von Totholz im Revier, das der Buntspecht für den Bau der Nisthöhle benötigt und das auch in Bezug auf die dort zu findende Nahrung von Bedeutung ist. Wenn das Gebiet in Bezug auf die Nahrung sehr günstig ist, kann der Aktionsraum auch auf bis zu 10Ha schrumpfen. Umgekehrt ist zu beobachten, dass bei einem geringen Vorkommen von Totholz oder kranken und maroden Bäumen auch die Spechtpopulation in diesem Gebiet gering ist.
Am wohlsten fühlt sich der Buntspecht in Nadelwäldern, da die zerklüftete Rinde seiner Insektennahrung - bestehend unter anderem aus Kerbtieren, Raupen und Insektenlarven - Unterschlupf bietet. Zudem ist das Holz der Nadelbäume oftmals weicher und besser zu bearbeiten. Aber auch in Laubwäldern, Feldgehölzen, Parks und Gärten ist der Buntspecht anzutreffen.
Anders als seine direkten Verwandten ernährt er sich auch teils vegetarisch und dies insbesondere im Winter: Koniferensamen, Beeren, Nüsse und Baumsäfte stehen dann auf seiner Speisekarte.
Der Buntspecht hat eine durchschnittliche Länge von 23cm. Das auffälligste Merkmal des männlichen Buntspechtes ist der rote Streif im Nacken. Oftmals wird man aber eher akustisch durch die typischen „Kik“-Rufe auf ihn aufmerksam, als dass man den Specht zu Gesicht bekommt. Seine Krallen sind optimal an den Lebensraum und die Verhaltensweise des Spechtes angepasst. Zwei der Krallen sind nach vorn gerichtet und zwei nach hinten. Mit diesen Krallen findet der Specht sicheren Halt an fast jedem Baum und in jeder Rinde.
Die Balz / Nachkommen
Im Januar beginnt der männliche Specht mit dem so genannten “Trommeln“ die Balz, welche dann im März/April ihren Höhepunkt findet. Mit ca. 15 Trommel-Schlägen von jeweils etwa 2 Sekunden Dauer lockt der Specht das Weibchen an, grenzt aber auch sein Revier gegenüber Rivalen ab.


Nach erfolgreicher Balz zu seiner Saisonehe schlägt das Männchen in einem Zeitraum von drei Wochen ein ca. 30cm tiefes Loch in das Totholz eines Baumes als Nisthöhle für die zukünftige Spechtfamilie.
Im Mai bzw. Juni legt das Weibchen fünf bis sechs Eier, die von beiden Eltern neun bis zwölf Tage lang bebrütet werden. Nach etwa 18 Tagen zeigen sich die Jungspechte erstmalig am Flugloch. Ihre Fütterung übernehmen ebenfalls beide Elternteile, wobei die Jungspechte hauptsächlich mit Insekten, und Insektenlarven gefüttert werden. Nach ungefähr drei Wochen verlassen die Jungvögel erstmalig das Nest, werden aber noch einige Tage lang weitergefüttert.

Die Fotos zu diesem Artikel entstanden mehr oder weniger zufällig. Ich wurde auf die Spechtfamilie akustisch aufmerksam ("Kik") und folgte den Rufen. Schon bald entdeckte ich das Netzloch in der Tarnung der umliegenden Bäume und deren Äste. Die meisten Aufnahmen mussten wegen der schlechten Lichtverhältnisse leider mit ISO1600 gemacht werden, um auf akzeptable Verschlusszeiten zu kommen.